Alles Leiden hat ein Ende
Da meine unverantwortliche Abstinenz in diesem Blog anscheinend einigen Menschen unerträgliche Schmerzen bereitete, fühle ich mich doch aus moralischen Gründen gezwungen meine begonnene Geschichte fortzusetzen.
Jedoch sollte man bedenken das Faust II nicht so interessant ist wie Faust I und wie ich die letzte Überschrift schon bei Goethe entlieh, hoffe ich das mit dieser Fortsetzung kein böses Erwachen erfolgt.
Ich bin jetzt über einen Monat zurück, habe den Jetlag nicht ganz überwunden und der nächste Flug ist für Anfang September geplant. Die denkbar ungünstigste Zeit einen Blog der sich mit meinem Aufenthalt im Ausland befasst zu vervollständen, trotzdem will ich mal versuchen die losen Enden zu Verknüpfen.
Direkt vorneweg die obligatorischen Fotos.
Nachtragen muss ich auch noch, dass ich auf dem Flug natürlich wieder in der Sitzreihe 42 saß. Langsam wird das Ganze unglaubwürdig und ich schätze mich glücklich das ich jedes Mal Fotos von den Bordkarten angefertigt habe. Im Flieger hab ich auch schon mal mein "Grünes Einreiseformular" ausgefüllt. Um das Department of Homeland Security ein wenig zu provozieren habe ich die italienische Variante ausgefüllt. Ist denen nichtmal aufgefallen. Schade eigentlich, jemand Aufmerksames hätte mir da schon einige interessante Fragen zu stellen können. Z.B. Wie ich denn die Fragen wahrheitsgeämß beantworten könnte wenn ich kein italienisch spreche etc.
(British Airways übersetzt übrigens für deutsche Passagiere in ihren Info Kärtchen "Green Card" mit "grüne Karte", aber das nur am Rande, denn mit BA bin ich im April gefolgen ;))
Ausserdem ist es vielleicht auch noch bemerkenswert anzumerken dass bei meiner Abreise in Deutschland strahlender Sonnenschein herrschte, in Paris war es bewölkt und in New York regnete es in Strömen.
Aber nun zurück zum Plot, fortsetzend kurz nach der Ankunft in New York. Nachdem ich alleine einer Gruppe Französsinnen geholfen habe in Jamaica Station alle ihre Koffer die Treppen herunterzutragen (soviel zur deutschen Un- und amerikanischen Höflichkeit ;)) stieg ich, überrascht bis jetzt noch keine ernsthaften Probleme wg. des T-Shirts gehabt zu haben, in den E Train. Aufgrund diverser Erfahrungen in New Yorker U-Bahnen erzeugte dies nicht unbedingt ein Gefühl der Sicherheit.
Zurecht. Alleine als hellhäutige Person (wie kann man sowas eigentlich sagen ohne dass es rassistisch klingt?) in einem dem U-Bahnabteil begann ich schon bald von einem kräftigen (beindruckende Oberarme) jungen Mann (Lebengewicht mind. 120kg), der mich gegenüber saß, angestarrt zu werden, während dieser langsam Hänchenflügel aus einem Bucket verzehrte. Den anderen Mitreisenden war meine provozierende Bekleidung noch nicht aufgefallen also versuchte ich nicht auf sein Starren einzugehen und las ein wenig die FAZ (Air France Volle Punktzahl: Am Flughafen Charles-de-Gaulle mag vieles schlecht sein aber man bekommt soviele Zeitungen wie man mag... naja, mir fällt gerade allerdings ein das ich besagt FAZ schon in D-Dorf eingepackt hatte... Egal... Aber soll keiner sagen dass ich die Franzosen blind fertig mache). Dabei verbat mir allerdings natürlich der Stolz die Zeitung als Sichtblende zu benutzen. Vielleicht nicht besonders weise, denn nach einigen Minuten erklang die nicht minder beeindruckende Stimme meines Gegenübers: "Hey yo man, whats up with ya fucking t-shirt?" (Es fällt vielleicht auf, dass der Sprecher auf die Anwendung von Oxford English verzichtete. Von elementarer Wichtigkeit war es allerdings, allen Klischees entsprechend, das Wort Fuck ausreichend häufig und auch in adäquater Betonung zu benutzen. Für die deutsche Stimme übrigens recht einfach nachzuahmen in dem man einfach den Namen der berühmten Flugzeugschmiede Fokker auspricht und einfach auf die Endung "er" verzichtet).
Nun, mit dieser Frage war dann natürlich die Aufmerksamkeit des gesamten Abteils auf mich gelenkt. Die Antwort "Weil ich nicht so viel essen kann wie ich kotzen möchte, wenn ich an Hip Hop denke" ersparte ich mir im Anbetracht der Tatsache, dass ich vielleicht auch noch einen Weg finden könnte lebend diese U-Bahn zu verlassen, wenn ich mir nur genug Mühe gebe... und/oder nur durchhalte bis die Polizei eintrifft (da ich die Polizei fast nie in der U-Bahn gesehen hab, verwarf ich diesen Gedanken gleich wieder (den Gedanken auf die Polizei zu warten nicht den mein Leben noch irgendwie zu retten (achja, ich nehm ja nur ungern die Spannung aus der Sache, aber meine Mutter regt sich immer so schnell auf, darum schreib ich schonmal direkt hier: Ja, ich werde es am Ende Leben überstehen)))
Da ich also beschlossen hatte den den diplomatischen Weg zu gehen, lies ich die Polemik beiseite und kramte meine vernüftige Argumentation hervor, warum ich lieber auf den Konsum von Hip Hop Musik verzichte. (Kommerzialisierung, Zerstörung einer Jugendkultur, Frauenfeindlichkeit, Dämliche Texte (so dämlich, dass es keine Polemik ist dämlich zu sagen), etc. pp.)
Erwartungsgemäß standen die meisten Mitfahrer meiner Argumentation ablehnend gegenüber und ich bemerkte das einige realisierten, dass ich mit meiner Position wohl alleine gegen den Rest stand (Bevor jetzt jemand denkt der Spannungsbogen fällt: Dies ist in keinster Weise positiv zu deuten gewesen) und ich hoffte schon, dass bald eine weitere Station kommen würde, damit ich vielleicht noch einen anderen Zug nehmen könnte, als die Rettung erfolgte (Jetzt darf die Spannung fallen): Eine Gruppe Hip Hopper (Ironie des Schicksals) betrat den Wagen und begann mit einer Präsentation ihrer Tanzkünste (hey, ich hatte immer was gegen die Musik gesagt, wenn jemand gut dazu tanzen kann, ist das was anders.) (Ich konnte die Darbietung leider mit meinem Mobiltelefon nur unzureichend festhalten).
Diese Vorführung dauerte exakt lange genug um die U-Bahn an die nächste Station fahren zu lassen an der mein gegenübersitzender Gesprächspartner und Rädelsführer grummelnd austieg. Mit ihm die meisten anderen Fahrgäste, statt dessen strömten viele andere Leute hinein und mein Problem hatte sich plötzlich in Luft aufgelöst.
Schon wenig später erreichte ich Port Authority und half den Französinnen ihr Gepäck wieder die Treppen heraufzutragen und holte mein Greyhound Ticket ab (traf wieder die Französsinnen, die den Weg wohl nicht gefunden hatten). Daraufhin drehte ich meine obligatorische Runde am Time Square und kaufte den ebenfalls obligatorischen Hot Dog (Ausserdem hatte ich noch 4 Stunden Greyhound vor mir und McD wollte ich mir dann doch nicht antun). Zurück in Port Authority traf ich das 4. Mal auf die Französinnen und realisiert dass man ja viel schlechtes über die Elsass-Lothringen-Diebe sagen kann, aber die Mädels hatten wirklich Mut: Fliegen nach Amerika und können kaum English...
Darum war unser zusamentreffen auch eher kurz und ich entschwand zu meinem Bus.
Hier erlebte ich einen, nun, etwas ungewöhnlicheren Fahrer, der mit Frage Antwort Spielen dafür sorgte, dass seine Fahrgäste sich auch seine Hinweise über die Fahrt anhörten. Nicht zu unrecht, denn unser Chauffeur bewies großes Mitleid mit Nikotin-Abhängigen (vulgo: Raucher). Diese sollen doch Verständnis dafür haben, dass man im Greyhound nicht rauchen dürfe, aber wenn jemand ein unbändiges Bedürfniss fühle, zumindest auf der Bordtoilette, doch noch eine Zigarette zu genießen, so solle er doch bitte mindestens einen Begleitet mitnehmen. So wäre es dann auch nicht so langweilig auf der Interstate nachdem man rausgeschmissen wurde.
4 Studen später erreichte ich dann auch Baltimore.
Irgendwie kam mir dieses Mal die Reise länger vor als sonst. ;)
Dieser Eintrag selbst ist ja doch wieder recht lang geworden. Darum folgt der Rest dann das nächste Mal. Wann immer das sein wird.