Dienstag, Mai 31, 2005

Die Leiden des jungen J.

Manche mag es verwundern, dass ich schon wieder aus dem faschistischen Ausland berichte, aber nach der Wahl war das wohl die richtige Wahl.
Jetzt, wo die politischen Grenzen hinweggewischt werden und die BRD nach einigen Jahren Individualitaet wohl wieder in Kohlsches Vasallentum gegenueber den Vereinigten Staaten zurueckfallen wird, einhergehend mit "christdemokratischer" neoliberaler Umsetzung von Industrieinteressen (ich hab noch 16 Jahre CDU miterlebt! Wehret den Anfaengen!) kann es mir ja nun wirklich wieder egal sein wo ich hungere.
Also flugs, trotz diverser Vorurteile, um 4 Uhr nachts einen Flug mit Air France gebucht,in ein Duesseldorfer Bonzenviertel geeilt, um meinen edlen 89er E-Kadett dort abzustellen und dann zum Flughafen gewandert.

Schoen fing der Tag dann auch mit der freudigen Ueberaschung an, dass Air France eventuelle Defizite schon vorneherein mit optisch ansprechenden Stewardessen versuchte auszugleichen.
Wie sehr dies wohl notwendig ist erfuhrt ich auch dann auch direkt nach der Landung auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Nicht nur, dass der Flughafen schon optisch versuchte jeden Sinn fuer Baukunst durch abstossende Betongebilde fuer Ewigkeiten zu veraetzen, er schafft es auch, mit bautechnischen Fehlmassnahmen erster Guete, es den Transferreisenden moeglichst schwierig zu machen ihren Anschlussflieger zu erreichen.

Der Flughafen ist tatsaechlich so organisiert, dass Transferpassagiere durch die Warteschlangen von eincheckenden Fluggaesten dirigiert werden, die mit raubtierhafter Entschlossenheit jeden Meter in ihrer Schlage verteidigen, waehrend andere Fluggaeste von beiden Seiten auf die Schlange einstuermen, um ihren eigenen Schalter zu erreichen, vor denen sich das Schauspiel wiederholt. Dies alles findet auf einem winzigen Schlachtfeld statt, da bei der Konstruktion des Flughafens es wohl als selbstverstaendlich hingenommen worde, dass ein 3 Meter durchmessender Gang fuer stehende, laufende, gehende, wartende und vor allem orientierungslose Passagiere reichen wuerde.
Es wird einige ueberraschen, aber dem ist nicht so.

Sollte es jemanden tatsaechlich gelingen sich durch irrefuehrende Schilder, im Weg stehende Menschenmassen, geschlossene Transfertueren und viel zu enge Gaenge zu kaempfen, wird er vielleicht nach einiger Zeit sein Zielterminal erreichen. Ich benoetigte bei sehr zuegiger Gangart und viel Koerpereinsatz cirka 30 Minuten von Terimal 2D nach 2C. (Mit weiblicher Begleitperson waere wohl mit insgesamt einer Stunde zu rechnen, pro eventuell mitreisendem Kind nochmals eine Stunde hinzuaddieren. Fuer einen Wechsel von A nach D oder gar 1 nach 2 sollte man wohl besser mehrere Tage einplanen)

Durch mein "schnelles" Erreichen von Terminal 2C, hatte ich immer noch die zuversichtliche Gewissheit meine erst 60 Minuten spaeter abfliegende Maschine noch zu erreichen. Sehr ernuechternd wirkte dann allerdings die sehr lange Schlange vor der Sicherheitskontrolle (erwaehnte ich, dass man an diesem Flughafen gar keinen richtigen Transferbereich findet, sondern fast das Gebauede verlaesst und deshalb alle Sicherheitsuntersuchungen nochmals machen muss?). Dafuer waren dann allerings auch nur zwei von vier Schleusen geoeffnet, so dass man sichergehen konnte, dass es auch wirklich lange dauert. Nach 45 Minuten erreichte ich dann fast den Bereich, in dem die wilde Schlange mit Absperrrungsbaendern zu den Schleusen geleitet werden sollte, als ein lustiger Flughafenansgestellter meinte diese Oeffnung woanders hinlegen zu muessen und lapidar darauf hinwies, dass man sich doch wieder hinten anstellen koenne. Der Hinweise auf den in Kuerze erfolgenden Abflug (das Boarding war wahrscheinlich ohnenhin abgeschlossen, dies konnte man aber nicht nachpruefen, da der Flughafen auf Anzeigetafeln verzichtet) wurde mit einem inzwischen wohlbekanntem und ignorantem "No Problem" abgehandelt, die wohl der einzigen Worte, die die Wartenden in der Schlange zu hoeren bekamen.

Puenktlich zum Abflug meiner Maschine stand ich dann auch an der Sicherheitschleuse (Leute die mit mir warten mussten, hatten stellenweise Abfluege die schon 20 Minuten zuruecklagen auf ihren Tickets) und eine hoefliche (fair will ich bleiben) Sicherheitsbeamtin fragte mich verzweifelt immer wieder eine Frage, die mir gaenzlich unverstaendlich blieb. Ich antwortete jedes Mal mit ebenalls anwachsender Verzweifelung, dass ich kein franzoesisch spreche.
Es dauerte einige Zeit bis ich merkte, dass sie von Anfang an versucht hatte englisch zu reden.
Wie auch immer.

Mit 10 Minuten Verspaetung erreichte ich den Flieger von Delta Airlines, der tatsaechlich auf mich wartete (Verstaendlich, der Flieger waere komplett leer geblieben, da die anderen Passagiere ja mit mir in der Schlange standen), allerdings wurde es dem Piloten nach einiger Zeit dann doch zu wild mit der Warterrei und einige Leute wurden zurueckgelassen (und das bei der US-Gesellschaft! Von wegen: Nobody is left behind).

Fuer mich hatte das den Vorteil der freien Platzwahl, was jedoch nur bedeutete, dass ihr mir aussuchen konnte auf welchem unbequemen Platz ich sitzen konnte. Das Entertainmentprogramm war geradezu steinzeitlich und die Give-aways das magerste, was ich je in einem Flieger erhalten hab. (Im Moment fuehrend: Give aways: British Airways, Entertainment: Swiss Air, Sitze: British Airways). Den Frust im Alkohol zu ersaeufen faellt leider auch aus: Im Gegensatz zu allen anderen Fluggesellschaften, bei denen zumindest Wein umsonst serviert wird, verlangt Delta 5$ fuer ein Glaeschen Roten. Dies haette ja eigentlich schon gereicht um nie mehr Delta zu fliegen, aber um die Sache komplett zu machen stellte ich in New York fest, dass mein Gepaeck verloren gegangen ist.
Ich habe beschlossen sowohl Detla als auch Charles-de-Gaulle die Schuld dafuer zu geben, dass es nicht gelungen ist trotz 90 Minuten Zeit (plus nochmals mind. 60 Minuten Verspaetung) mein Gepaeck von einem Flieger in einen anderen zu verladen.

Eigentlich konnte es ja nicht mehr schlimmer kommen, aber als ich dann am Delta Schalter mein Gepaeck vermisst melden wollte, starrte mir die Mitarbeiterin mit grossen Augen auf die Brust.
Mit Entsetzen realisierte ich, dass ich mich in eine sehr gefaehrliche Situation manoevriert hatte. Ohne Austauschkleidung wuerde ich mich auf den Weg nach Manhatten machen, vom JFK Airport ueber Jamaica, NY weiter mit der New Yorker U-Bahn. Eigentlich fand ich es immer interessant als einziger Weisser in einer Gruppe von Afro-Amerikanerin Bahn zu fahren, nur prangte diesesmal auf meiner Brust in grossen freundlichen Buchstaben:
Youth against Hip Hop

Ich war zwar froh, als ich es doch lebend bis in die U-Bahn geschafft hatte, aber ich behielt Recht mit meiner Befuerchtung, dass der Aerger hier erst wirklich beginnen wuerde...

...wird spaeter fortgesetzt...