Donnerstag, Oktober 20, 2005

Finale

Nachdem ich, vor gut einer Woche, wieder ins triste Deutschland zurückkehren musste, bleibt mir nun nur noch den, im letzten Eintrag vorenthaltenen, Samstag Abend nachzutragen...
Nachdem also der erwähnte überfallene 7-Eleven im Rückspiegel verschwand, ging es nach East Baltimore.
Endlich.
Nicht nur Heimat der berühmt-berüchtigen "Projects", eine Art vom Staat eingerichtes Ghetto, in das man alle Leute abschieben kann, die einem gerade nicht in den Kram passen (demenstsprechend wimmelt es dort von Krimnellen, Dealern, Obdachlosen und Drogenabhängigen), nein auch Schauplatz der wohl besten Drama-Serie aller Zeiten "The Wire" (leider in Deutschland bis jetzt noch nicht erschienen). Voller Begeisterung lies ich mir Drehorte zeigen, waehrend eine Party angesteuert wurde über die so keiner wirklich Bescheid wusste.
Der Wagen wurde geparkt und das Ziel gesucht. Unter abrissbedürftigen, verlassenen Wohnhochhäusern mit eingeschlagenen Scheiben entdeckte ich einen schwach beleuchteten Eingang, der mir nicht aufgefallen wäre, wenn nicht zwei sehr kräftige dunkelhäutige Männer mit schwarzer Kleidung gestanden hätten. Etwas irritiert wurde die Strasse gewechselt, denn es war kaum ein anderer Mensch zu sehen und auch kein Ton Musik zu hören. Die Männer forderten uns sogleich auf die Rücksäcke zu öffnen, die sofort gründlich dursucht worden. (Es wurden keine Waffen gefunden und so wurden die 30 Dosen Bier einfach nur zur Kenntnis genommen, denn wir wussten: Es handelte sich vielleicht (sic!) um eine BYO-Party.) Sie winkten uns durch und die nicht lässigen Amerikaner (also alle ausser mir ;)) wurden verspottet, dass sie schon ihre IDs gezückt hatten ("I don't wanna know where you live"). Durch einen von flackernden Neonröhren erhellten Gang ging es in einen Raum, der von wilden Graffiti verziert war und über allem hing ein leichter Uringeruch. Nur ein dezentes Papierschild mit der Aufschrift "Party" deutete auf den einzigen, wohl noch funktionierenden, Fahrstuhl. Im inneren des Gefährts wurde der Geruch des Voraums durch einen intensiven Gestank nach Erbrochenen überlagert und als sich die Türen schlossen konnte man an der Wand lesen: "No more than 4 people or you WILL stuck!" (Zitat!) Wimpernzuckend ging es nach oben, möglichst flach und durch den Mund atmend um durch den den Gestank nicht das Bewußtsein zu verlieren.
Dann öffnete sich die Türe...
Feinste elektronische Musik wummerte sanft in das innere der Kabine und feiernede Menschen bewegten sich schon nahe im Rhytmus der Musik.
Immer noch war nicht zu verschleiern, dass das Haus seine besten Jahre hinter sich hatte, doch die 3 Meter hohen Decken an denen verschieden bizarre Leitungen entlangliefen, die in verschiensten Farben schimmernedne Wände strahlten einen Charme aus, der in Kombination mit Publikum und Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis verschwamm.
In all den Wochen in den Staaten habe ich nie so gut gefeiert wie an diesem Abend, und ich besitze nicht ein Foto...
...aber immerhin gibt es hier noch die anderen Fotos vom Rest der Reise und auch ein kleines Video als Nachtrag zum Oktoberfestbeitrag