Dienstag, März 14, 2006

Back in Black

Locker und zügig nach Paris geflogen. Am CDG gibt’s Internet… Aber nur gegen Bezahlung. So habe ich mich hier auf dem gemütlichen Fußboden breit gemacht, nachdem ich mit akrobatischen Kunststückchen meinen Weg durch die wartenden Menschen gebahnt habe. Die gerundeten Wände bieten sich sehr dazu an sie als Abkürzungen zu verwenden, ich frag mich nur ob das von den Konstrukteuren so vorgesehen war. Doch durch meinen extremen Einsatz kam ich vor den anderen Massen an der Sicherheitskontrolle an und kann nun noch 20 Minuten bis zum Abflug auf dem Boden sitzen. Moment 20 Minuten? Wieso bin ich noch nicht im Flieger?

Ah es liegt daran dass die ganzen Leute noch in einer äusserst langen Schlange stehen und wir so eh nicht um viertel nach losfahren… Geh eh immer als letzer rein… (Im Gegensatz zur Mutter die ja immer als Erste Einsteigen will.)

Habe mal die französische Gelassenheit ausgetestet indem ich sehr, sehr spät zum Boarden gekommen bin. Extra für mich wurden hektisch irgendwelche Dinge erledigt… Mit welchem Grund weiß ich nicht. Danach hat mich sogar noch die Zeit genommen mich ordentlich zu durchsuchen. Das erste Mal auf meinen Reisen. Aber immerhin war ich auch der Letzte der in den Flieger wollte…
Im Flieger ist das Entertainmentsytem wieder und wieder abgestürzt und eine Stewardess entschuldigte sich immer wieder für alles mögliche. Sogar dafür, dass sie mir eine Flasche Rotwein anreichte. Seltsam.

Mh, es kam gerade inmitten von Turbulenzen die Durchsage das sich ein eventuell anwesender Arzt sich bei der Crew melden solle. Die Blicke der Leute begeisterten mich schon.

Die Landung war fantastisch. Die Leute haben geschrieen. Nicht aus Freude. Aber ich hab mich gefreut. Ein hektischer Satz nach rechts beim Aufprall schüttelte alle ein wenig durch. Letztendlich hat der Pilot die Maschine dann aber schlitternd unter Kontrolle bekommen was mit Applaus honoriert wurde. Mein lakonisches „Just because youre happy that youre still alive?“ stieß auf weniger Begeisterung als erwartet und auch einen Flugbegleiter ertappte ich dabei wie er sich klammheimlich die Krawatte gerade rückte. Nichts mehr gewohnt die jungen Leute.

In NY musste ich natürlich ewig auf mein Gepäck warten, und wurde dann informiert dass das Gepäck kaum rechtzeitig am Flugzeug wäre wenn ich es an meinem Terminal einchecken würde. Also bin ich mit der Tasche auf der Schulter von Terminal 2 nach Terminal 9 (sic) gejoggt um die Tasche aufs Band zu schleudern und dann schnell durch die Sicherheit zu sprinten. Direkt bei der ersten Kontrolle schüttelte dann die Sicherheitslady beim Blick auf den Reisepaß mit dem Kopf. „That ain’t you!“

Da sag einer die New Yorker hätten ihren Sinn für Humor verloren.
Ich bin jetzt im Flieger nur ob mein Gepäck bei mir ist, das weiß ich nicht… Bin mal gespannt.

Tatsächlich, das Gepäck war da.
Habe mich dann mit der Stadtbahn zu einer angeblichen Greyhoundstation gemacht aber dann nach einer Stunde entnervten Suchens aufgegeben und… tada… ein Zugticket nach Baltimore gekauft. 18$ erinnert zwar schon an Deutsche Wucherpreise aber dafür ist das Platzangebot riesig und jeder Platz hat mind. Eine Steckdose an der ich jetzt auch mein Laptop lade… Nicht, dass sich das wirklich lohnen würde denn für 18 $ erwarte ich schon eine Hochgeschwindigkeitsverbindung… (Bin gerade vom Schaffner informiert worden das es sich um ein Fahrt von 40 Minuten handeln wird.) Der Bus hätte 1std15 gebraucht. Nur doof dass ich aus irgendeinem Grund Juliet nicht anrufen konnte und so in Baltimore eh warten muss…
...auch in Baltimore funktionierte keiner der öffentlich Münzfernsprecher mit Juliets Nummer aber vor der Tür des Bahnhofs auf der Straße hatte ich plötzlich Internet... und Skype rettete mich.

Die ersten Bilder gibts hier.

2 Comments:

At 11:28 AM, Anonymous Anonym said...

Ich bin natürlich in Reisebeschreibungen ein Traditionalist, wie ich auch bei der Revolution ein Traditionalist bin. Und obwohl ich eher an Heinrich Heines Harzreise denke, ist deine Reisebeschreibung doch in ihrer Modernität dieser Tradition verpflichtet. Immer den Finger in die Wunde legen, immer alles kritisieren, revolutionär undankbar sein (B.B.) und das alles stilvoll aufschreiben.
Auch die Photos unterstreichen die satirisch-romantische Tradition der deutschen Reisebeschreibung - und das im Internet.

 
At 4:10 PM, Blogger Sheramami said...

Wer rangelt sich um die ersten Plätze im Flieger?
Was schreibst dennn du da?

Frag' mal deine Schwester Djamila. Wir haben beim letzen Heimflug mal wieder den Aufruf verpasst und bekamen einen EXTRATRANSFER mit dem Bus zur Maschine.
Stell' ich mich etwa in eine Schlange?
Nö, mir reicht das bei Aldi!

 

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